Hornissen – Friedliche Riesen

Sieben Stiche töten ein Pferd, drei Stiche einen Menschen.
Beinahe jeder kennt diesen Mythos. Doch stimmt das? Denn Hornissen können mit ihrer beachtlichen Größe und dem tiefen Brummen ganz schön bedrohlich anmuten.

Doch sie interessieren sich weder fürs Picknick, noch für die Limonade. 
Also wie lebt diese fliegenden Riesen?

Hornisse an Nesteingang

Es ist April. Schon seit einigen Wochen hält der Frühling einzug. 

Viele Insekten sind bereits seit Wochen unterwegs. Doch die Hornissenkönigin erwacht erst jetzt aus ihrer Winterstarre. 

Allmählich macht sie sich bereit und fliegt die ersten Runden. 

Ihr Ziel ist es, so schnell wie möglich eine passende Stelle für das zukünftige Nest zu finden. 

Dabei hält sie vor allem Ausschau nach Baumhöhlen. Doch da diese durch die intensivere Landnutzung seltener werden, weicht sie auch auf Nistkästen und andere Hohlräume aus. 

An einer passenden Stelle werden aus zerkautem Holz und Speichel die ersten Waben gebaut. In diesen legt die Königin die ersten Eier ab.
Etwa zwei Wochen dauert es, bis daraus Larven schlüpfen. Sie werden von der Königin selbst versorgt, die regelmäßig das Nest auf der Suche nach Nahrung verlässt. 

Nun kann es noch über einen Monat dauern, bis die Larven sich verpuppen und schließlich schlüpfen.
So ist es nicht verwunderlich, Hornissen erst spät im Sommer beobachten zu können.

Hornisse-Larve in Brutkammer

Sind die ersten Arbeiterinnen geschlüpft, übernehmen sie die ab sofort die Nahrungsbeschaffung, die Brutpflege, die Verteidigung und den weiteren Ausbau des Nestes.
Welcher Aufgabe sie nachgehen, hat mit ihrem Alter zu tun. Die jüngsten Hornissen verbleiben im Nest und kümmern sich um die Brut.
Im mittleren alter sind sie auf Nahrungs- und Nistmaterialsuche und im letzten Lebensabschnitt sind sie für die Verteidigung des Nestes zuständig. Die sogennanten Wächterinnen sitzen am Eingang und kontrollieren jede Veränderung, die sich im Umkreis ergibt.
Die Königin selbst verbleibt von nun an im Nest und wird von den Arbeiterinnen mit ernährt. Sie kümmert sich ausschließlich um die Eiablage. 

Die Arbeiterinnen sind Tag und Nacht auf Suche, um genug Nahrung herbei zu schaffen. Sie erbeuten auf ihren Flügen andere Insekten, wie Wespen und Fliegen. Aber auch die ein oder andere Spinnen und Biene ist mit dabei.  Die tierische Nahrung ist für die Larven gedacht. Denn die adulten Hornissen ernähren sich vegetarisch von austretenden Flüssigkeiten an Bäumen. Häufig ist das an bspw. Eichen zu beobachten. Nicht nur Hornissen trinken hier zahlreich die süßen Baumsäfte. Auch Käfer, wie Hirschkäfer und andere Insekten nutzen diese Quelle zur Energiegewinnung.

Hornisse trinkt Baumsäfte

Hornissen sind also gar nicht an unserem Essen interessiert.
Sie versuchen eher zu fliehen, als zu stechen. Doch da sie auch Nachts jagen, werden sie häufig vom Lichtern in und um unseren Häusern angelockt.
Ein offenes Fenster kann dann zur Falle werden.
Die sich so in die Ecke gedrängte Hornisse, reagiert natürlich auf unsere vermeintlich nett gemeinten Befreiungsaktionen aggressiv. 

Aber keine Sorge. Hornissen sind nicht giftiger als Honigbienen. Im Gegenteil!
Denn bereits 2,8 bis 6 mg Bienengift je Kg Körpergewicht reichen aus, um bei 50% aller Fälle zum Tod zu führen.
Bei Hornissen sind es 10 bis 90 mg je Kg.
Das Bienengift ist somit bis zu 15fache giftiger, als das der Hornissen. Doch die kleine Honigbiene hat nicht nur das deutlich wirksamere Gift. Auch gibt sie fast die selbe Menge   in die Wunde ab, wie eine Hornisse.

Doch friedvolle Insekten kann man nicht erwarten, wenn man sich dem Nest zu dicht nährt oder stört. Denn das Herzstück jedes Hornissen-Volkes wird von den Wächterinnen gnadenlos verteidigt. Und das erledigen sie ziemlich gut.  

Es ist also besser, die Tiere aus sicherer Entfernung zu beobachten, zudem sie unter strengem Naturschutz stehen!
Nester und einzelne Tiere dürfen nicht gefangen oder getötet werden. Darauf stehen hohe Geld- und sogar Freiheitsstrafen!
In Brandenburg beispielsweise wird das absichtliche Töten einer Hornisse mit bis zu 65.000€ bestraft. Das Fangen oder Töten einer Königin mit bis zu fünf Jahren Haft.

Gibt es dennoch untollerierbare Probleme mit einem Hornissenvolk in der Nähe, kann ein Hornissenspezialist mit behördlicher Erlaubnis das Nest versetzen. 

Das Töten einer Hornisse wird mit bis zu 65.000€ bestraf. Das Fangen oder Töten einer Königin mit bis zu 5 Jahren Haft!

In Brandenburg, Stand 2021

Im Sommer sind Temperaturen über 30°C nicht selten.
Besonders wenn die Sonne direkt auf das Nest scheint, steigen die Temperaturen im Innenraum des Nestes auf ein kritisches Niveau.
Denn die Eier, Larven und Puppen drohen ab einer zu hohen Temperatur abzusterben!
Arbeiterinnen versuchen dann mit ihren Flügeln am Nesteingang frische Luft in das Nest zu fächern und den Innenraum abzukühlen. 

Der Höhepunkt jedes Volkes wird mit dem hervorbringen von neuen Königinnen und Männchen eingeläutet.
Die jungen Königinnen paaren sich schließlich mit den Männchen und suchen noch vor dem ersten Frost geschützte Orte auf, um dort sicher den Winter zu verbringen.
Die Männchen sterben noch im selben Jahr. Fast zeitgleich endet auch das Leben der alten Königin und mit ihr das der letzten Arbeiterin. Somit erlischt meist Anfang November das letzte Leben Nest.

Erst im späteren Frühling erwacht die junge Königin wieder und macht sich auf die Suche, nach einem passenden Ort für ihr Nest.

 

Wenn du mehr über einheimische Insekten erfahren möchtest, dann haben wir auf Insecticon noch mehr spannende Videos für dich! 

Bis zum nächsten mal!

Hornissen-Wächterinnen am Eingang des Nestes

Empfohlene Beiträge