Blattläuse anders betrachtet

Basilikum, Petersilie, Minze

Die frischen Kräuter sind wichtige Zutaten für ein gelungenes Rezept. Sie wachsen auf dem Balkon oder der Fensterbank, in Töpfen oder im Beet.
Doch was ist das? Klebrige Flecken auf den Blättern und dem Boden.
Schaut man sich die Pflanze genauer an, entdeckt man die Verursacher: Blattläuse. 

Doch bevor wir uns jetzt über sie ärgern, sollten wir mal ganz genau hinschauen. Denn Blattläuse führen ein unglaublich faszinierendes Leben, in denen Klone, wie auch die Lebendgeburt zur Alltäglichkeit gehören.

Blattläuse in Massen sind selten gut für die Pflanze. Denn wie alle Vertreter der Schnabelkerfe besitzen auch Blattläuse stechend-beißende Mundwerkzeuge, mit denen sie gezielt die Leitbündel der Pflanze anstechen und den Pflanzensaft heraus saugen.
Doch was macht diese Blattlaus auf dem Bild? Es sieht aus, als würde sie einen Wassertropfen verlieren.

Dieser Tropfen ist sogenannter Honigtau. Denn Blattläuse ernähren sich nur von den im Pflanzensaft enthaltenden Aminosäuren. Der überwiegende Teil des kohlenhydratreichen Safts wird wieder ausgeschieden.
Die Überreste kann man sogar mit bloßem Auge sehen. Schlagen die Tropfen auf einer Oberfläche auf, bleibt ein klebriger Saft zurück. Perfekte Nahrungsgrundlage für Rußtaupilze, aber auch Ameisen, Bienen und Florfliegen ernähren sich von Honigtau.

Ameisen züchten regelrecht Blattläuse an Pflanzen, um den Honigtau direkt zu ernten. Im Gegenzug pflegen sie ihre Blattläuse und vertreiben Fressfeinde oder die, die es sein könnten.

Denn Blattläuse sind heiß begehrt. Marienkäfer, Schwebfliege, Florfliege, bzw. deren Larven können bis zu 600 Stück vertilgen. Da reichen schon ein paar Räuber aus, um eine Pflanze von allen Blattläusen zu befreien. 

Aus manchen Blattläusen kommt allerdings kein Honigtau heraus.
Manchmal sind es neugeborene Blattläuse. Sie sind bereits voll entwickelt. Die sogenannte Viviparie ist eine besonders intensive Form der Brutpflege, bei der das Ei der Blattlaus eine Zeit im Mutterleib zurück gehalten wird. Auf dem Bild kann man sogar noch die dünne Eischale erkennen! Von Frühling bis Herbst gebären Blattläuse ihre Nachkommen lebend und da keine Zeit für die Suche nach einem Partner ist, klonen sie sich einfach selbst. Was erst einmal wie ein Science-Fiction Film klingt, ist in der Natur kein Einzelfall. Die sogenannte Parthenogenese machen sich manche Fisch- und Eidechsenarten, sowie Schnecken zu Nutze. Durch bestimmte Hormone wird hier bei der unbefruchteten Eizelle eine Befruchtung vorgetäuscht, woraufhin sie damit beginnen, sich zu teilen. Daraus entstehen allerdings genetisch identische Nachkommen der Mütter. Also Klone. So sind alle Blattläuse im Sommer weiblich.

Denn schnell, giftig, beißend, gepanzert sind alles Attribute, die nicht gerade auf Blattläuse zutreffen. Sie können zwar über ihre Siphone, die man in unserem YouTube Video unten sehr gut sieht, ein übel schmeckendes Substrat absondern, aber das hält nur die wenigsten davon ab, sie zu fressen. Und so setzen sie auf eine rasche Vermehrung. 

Werden es irgendwann zu viele Blattläuse auf einer Pflanze, entwickeln sich Individuen mit Flügeln. Diese machen sich auf den Weg, um eine neue Kolonie auf einer neuen Pflanze zu gründen. So ist immer gewährleistet, dass Blattläuse überleben, selbst wenn eine Kolonie leer gefressen wird. 

Damit es trotz klonen zu einem genetischen Austausch kommt und Blattläuse evolutionär überleben können, gibt es eine Zeit im Jahr, in der männliche und weibliche Nachkommen auftreten. Nämlich im Herbst. Da verlassen einige Blattläuse ihre Sommerpflanzen und machen sich auf zu ihren Winterwirten. Sie bringen dort eine Generation aus Männchen und Weibchen hervor, die sich paaren und genetisch aufgefrischte Eier ablegen, die mit ihrer harten Schale selbst tiefste minus Grade aushalten können.

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