Möglichkeiten und Grenzen von Wildbienen Nisthilfen – mit Flo von flowbee

Wildbienen-Nisthilfen (WiBiNi´s) kommen immer mehr in Mode. Für Uns und die Wildbienen bieten sie große Möglichkeiten, wenngleich ihre Grenzen im Sinne des Artenschutzes schnell erreicht sind. Warum?
Das erfahrt Ihr in diesem Artikel.

Inhalt

Wildbienen Nisthilfe an einer Wiese

Die Möglichkeiten

Gefahrlose Naturbeobachtung

Jung und Alt können den emsig werkelnden Bienen bei ihrem Bau der Kinderstuben in den Nisthilfen hautnah und gefahrlos zusehen – ein wahrlich faszinierendes Naturkino. 

Moment mal: „Gefahrlos? Stechen mich die Bienen denn nicht?“ Nein! 

Wildbienen sind, anders als die Honigbiene, nicht daran interessiert Konflikte mit Uns einzugehen. (Das liegt an ihrem Dasein als Einzelkämpfer. Stirbt die Wildbiene, gefährdet sie das Fortbestehen ihrer Art. Außerdem haben die Wildbienen keinen Honigvorrat, den es vor hungrigen Eindringlingen zu beschützen gilt.)

Wusstest Du, dass nur eine der etwa 565 Wildbienenarten, die bei uns heimisch sind, Honig produziert?

Männchen - Blattschneiderbiene - Megachile willughbiella

Umweltbildung/Sensibilisierung

WiBiNi´s haben einen echten Lerneffekt! 

Bei gelegentlicher Begutachtung der Nisthilfe im Jahresverlauf fällt dem Beobachter schnell auf, dass er es mit einer ganzen Reihe verschiedener Wildbienenarten zu tun hat – vorausgesetzt im Umkreis von mehreren hundert Metern liegt ein ausreichendes Nahrungsangebot vor.

Neben den Live-Beobachtungen lassen die, je nach Art charakteristischen, Verschlussdeckel der Hohlräume dies schnell erkennen. Schnell stellt man fest, dass die Verschlussdeckel der Arten jeweils zu einer ganz bestimmten Zeit im Jahr entstehen und abschnittsweise bestimmte Wildbienen beim fleißigen Transport des Pollens & Nektars (= Nahrungsvorrat für den Nachwuchs) beobachtet werden können.

Das sensibilisiert für die so wichtige Bestäubungsleistung der Wildbienen und die Vielfalt unserer Umwelt. 

Während sich die Honigbiene erst bei 12 °C auf die Suche nach Nahrung begibt, sind Mauerbienen im Frühling bereits ab 4 °C fleißig! Sie sorgen unter anderem für die effiziente Bestäubung unserer frühblühenden Obstbäume.

Oft höre ich aus meinem Kunden- und Bekanntenkreis mit Fingerzeig auf die kleinsten, gerade mal 3 mm großen, Löcher meiner WiBiNi´s folgenden Satz: „In so kleine Löcher passt doch gar keine Biene rein“ 

Wenn die Löcher dann nach wenigen Wochen verschlossen sind, ist das Staunen und die Neugier groß.
Insgesamt können wir etwa drei Dutzend faszinierender Arten an den Naturkinos beobachten.

Aus meiner Sicht verkörpern WiBiNi´s die erste Stufe einer Treppe der Interessensentwicklung für unsere Umwelt. Hat man einmal das Bewusstsein für verschiedene Arten läuft man mit offeneren Augen durch die Gegend.

Brutkammern von Hohlraumbesiedler

Die Grenzen

Naturschutz

Über die Hälfte der Wildbienen in Deutschland stehen auf der Roten Liste der gefährdeten Tierarten – sie sind gefährdet. 

Und hier kommen wir schnell zu den Grenzen der WiBiNi´s: die gefährdeten Arten haben meist äußerst spezifische Ansprüche an ihren Nistplatz und nisten nicht in unseren Nisthilfen für „Hohlraumbesiedler“. Sie benötigen beispielsweise offene Bodenstellen, Steilwände oder eine ganz bestimmte Pflanzenart zum Überleben. Diese Strukturen sind in unserer heutigen industriellen und intensiv genutzten Landschaft äußerst selten geworden. 

Leider wird dies aus Marketingzwecken heutzutage oft anders kommuniziert. Aus meiner Perspektive findet mit Nisthilfen, wenn sie überhaupt funktionieren und aufgrund mangelhafter Verarbeitung keine Todesfalle für die Wildbienen darstellen, ein regelrechtes Greenwashing statt. 

„Kaufe dieses Insektenhotel und tue damit etwas Gutes für die Natur“leider ist dem nicht so, um es an dieser Stelle noch einmal ganz klar auszudrücken. Vielmehr tun wir uns selbst aus den oben genannten Gründen etwas Gutes.

Wenngleich wir einige Arten mit Nisthilfen unterstützen, können wir die bedrohten Wildbienen mit Nisthilfen nicht retten.

Aaaaaaber…

das coole ist: Wir Menschen können im positiven Sinne eine große Wirkung auf unsere Umwelt haben. Indem wir für ein vielfältiges Nahrungsangebot im Rahmen von kleinräumig vernetzten Lebensräumen sorgen.

Das kann gleich vor der eigenen Haustüre mit der Ansaat regionaler Blühwiesen sowie dem Schaffen von vielfältigen Strukturen und Nistplätzen (Sandarium, „Wilde-Ecken“, Steilwände, markhaltige Stängel…) stattfinden.

Wenn wir uns gegenseitig inspirieren und mehr Bewusstsein schaffen, können wir unsere Lebensgrundlage, eine gesunde Umwelt, erhalten.
Die WiBiNi´s eignen sich super, um Wildbienen hautnah zu beobachten und erst einmal wahrzunehmen, ist ihr Nutzen immens – wenn sie denn richtig gebaut sind.

Over & out – Flo von flowbee

„Was der Bauer nicht kennt, das frisst er nicht. Und was der Mensch nicht kennt, das schützt er nicht.“

Flo von flowbee

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