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Gehörnte Mauerbiene

(Osmia cornuta)

Die Gehörnte Mauerbiene ist eine solitär lebende Wildbiene, die im zeitigen Frühjahr aktiv wird und zu den effizientesten Bestäuberinnen gehört – insbesondere von Obstblüten wie Kirsche, Apfel und Pflaume. Sie ist in ganz Süd- und Mitteleuropa verbreitet und häufig in Siedlungen, Gärten und Landschaftsrändern zu finden.

Wo begegnet dir diese Art?

  • In Gärten, Parks, Obstgärten und an Waldrändern, besonders dort mit reichhaltigem Blütenangebot. 

  • Aktiv von Frühjahr bis Frühsommer (meist März bis Mai/Juni), oft früh am Morgen bei Temperaturen ab ca. 10 °C.

  • Nistet in vorhandenen Hohlräumen wie Mauerritzen, Holzlöchern oder Nisthilfen (z. B. Bambusröhrchen / Insektenhotels). 

  • Besonders häufig an sonnigen, warmen Standorten im urbanen und ländlichen Raum.

Nahrung

Erwachsene Tiere sammeln Nektar und Pollen breit gefächert von vielen Pflanzenfamilien (mind. 14 nachgewiesen), darunter Weiden, Klee, Löwenzahn, Raps, Apfel, Birne und viele Frühjahrsblüher – sie ist also nicht spezialisiert auf einzelne Blüten.

Struktur

Strukturreiche Lebensräume mit früh blühenden Pflanzen und sonnigen Hohlräumen für Nistgelegenheiten sind wichtig.

Entwicklung

Strukturreiche Lebensräume mit früh blühenden Pflanzen und sonnigen Hohlräumen für Nistgelegenheiten sind wichtig.

Mikroklima

Weibchen bauen lineare Nestgänge mit bis zu ~12 Brutzellen in vorhandenen Hohlräumen. Die Zellen werden durch Lehm oder feuchte Erde getrennt und verschlossen; jede Zelle enthält ein einzelnes Ei mit Pollenvorrat als Futter. Die Larven entwickeln sich noch im Sommer und überwintern im Kokon bis zum nächsten Frühling.

Häufige Irrtümer

„Mauerbienen leben nur in Insektenhotels.“
→ Sie nutzen auch natürliche Hohlräume in Holz oder Gestein.

„Früh fliegende Bienen sind kälteunempfindlich.“
→ Auch diese Art ist auf sonnige, geschützte Bedingungen angewiesen.

„Solche Bienen stechen leicht.“
→ Die Art ist friedlich und zeigt kaum Verteidigungsverhalten.

Vertiefung
Die folgenden Abschnitte vertiefen Biologie, Verhalten und ökologische Zusammenhänge.

Erkennungsmerkmale

Osmia cornuta, die Gehörnte Mauerbiene, ist eine mittelgroße Wildbiene (Weibchen ca. 12–16 mm, Männchen 10–12 mm). Weibchen sind an der schwarz behaarten Brust und dem leuchtend rotbraun behaarten Hinterleib gut zu erkennen, Männchen sind kleiner, heller und oft mit auffälligen weißen Gesichtsbehaarungen. Typisch für die Art ist das kleine „Hörnchen“ am Kopf der Weibchen: zwei kurze Fortsätze zwischen den Fühlern. Die Beine sind schwarz, die Flügel leicht bräunlich getönt.

Lebensraum/Verbreitung

Die Gehörnte Mauerbiene ist in ganz Mitteleuropa und Südeuropa verbreitet und bewohnt offene, blütenreiche Lebensräume wie Gärten, Parks, Streuobstwiesen, Waldränder, Gebüsche und sogar städtische Bereiche. Sie ist sehr anpassungsfähig und nistet häufig an Mauern, in Hohlräumen von Totholz, Nisthilfen, Lehmwänden oder in alten Käferfraßgängen.

Lebensweise/Verhalten

Osmia cornuta ist eine solitäre Wildbiene, jede Weibchen baut ihr eigenes Nest. Die Nester werden in vorhandene Hohlräume gelegt, die mit Pollen und Nektar gefüllt und in Segmente unterteilt werden. Die Flugzeit beginnt früh im Jahr (März bis Anfang Juni), oft zeitgleich mit den ersten Obstbaumblüten. Weibchen sind sehr effiziente Bestäuber und besuchen vor allem Obstbäume, aber auch zahlreiche Wildpflanzen. Nach dem Schlupf paaren sich die Bienen, dann beginnen die Weibchen mit dem Nestbau. Pro Nistgang werden mehrere Brutzellen angelegt, die jeweils mit einem Ei und Vorräten versehen und mit Lehm oder Mörtel verschlossen werden.

Rolle im Ökosystem

Die Gehörnte Mauerbiene ist ein ausgezeichneter Bestäuber, insbesondere für Obstbäume wie Kirsche, Apfel und Birne. Durch ihre frühe Flugzeit übernimmt sie eine Schlüsselrolle in der Bestäubung von Frühlingsblühern und trägt wesentlich zur Erhaltung der Pflanzenvielfalt bei.

Gefährdung/Schutz

Osmia cornuta ist derzeit in Mitteleuropa nicht gefährdet und wird in vielen Regionen als Nützling gefördert. Sie profitiert von Blütenvielfalt, Totholz, offenen Lehmflächen und künstlichen Nisthilfen. Der Verzicht auf Pestizide und das Stehenlassen von Totholz und Lehmwänden helfen ihr. Lebensraumverlust und das Fehlen geeigneter Nistplätze können lokal jedoch die Bestände beeinträchtigen.

Wissenswertes/Funfacts

Die Gehörnte Mauerbiene ist eine der ersten Wildbienen im Jahr – oft sieht man sie schon fliegen, wenn es draußen noch richtig kühl ist. Ihre „Hörnchen“ am Kopf sind namensgebend und helfen, Pollen im Nest zu verteilen. Osmia cornuta ist besonders „menschenfreundlich“: Sie nistet gerne in künstlichen Nisthilfen und ist völlig harmlos – Stiche sind extrem selten und für den Menschen meist ungefährlich. Ein spannender Fakt: Die Männchen schlüpfen immer einige Tage vor den Weibchen und warten oft in größerer Zahl am Nistplatz auf ihre Partnerinnen. Für Obstbauern ist die Gehörnte Mauerbiene ein Segen – sie ist bei schlechtem Wetter und niedrigen Temperaturen oft fleißiger als Honigbienen.

Weiterführende Links

Diese Art ist Teil des Insecticon-Quartetts.