Skip to content

Dunkler Wiesenknopf-Ameisenbläuling

(Phengaris nausithous)

Der Dunkle Wiesenknopf-Ameisenbläuling ist ein kleiner bis mittelgroßer Bläuling, der auf Feucht- und Nasswiesen mit dem Großen Wiesenknopf lebt. Seine Lebensweise ist ungewöhnlich: Nach einer Phase an der Futterpflanze verbringt die Raupe einen Großteil ihres Lebens im Nest bestimmter Ameisen, wo sie sich weiterentwickelt.

Wo begegnet dir diese Art?

  • Auf feuchten bis wechselweich-feuchten Wiesen, Grabenrändern und Hochstaudenfluren, wo der Große Wiesenknopf wächst 

  • In extensiv genutzten oder wenig gemähten Bereichen

  • Aktiv zwischen Mitte Juni und Mitte August 

  • Schmetterlinge sitzen oft auf den Blüten des Großen Wiesenknopfs

Nahrung

Die Falter saugen Nektar insbesondere an den Blüten des Großen Wiesenknopfs.

Struktur

Offene Feucht- und Nasswiesen mit Beständen des Großen Wiesenknopfs und geeigneten Ameisenpopulationen sind entscheidend.

Entwicklung

Offene Feucht- und Nasswiesen mit Beständen des Großen Wiesenknopfs und geeigneten Ameisenpopulationen sind entscheidend.

Mikroklima

Nach dem Fraß an Knopfblüten fallen die Raupen zu Boden und werden von Rote Knotenameisen (Myrmica rubra) in deren Nest getragen. Dort verbringen sie den größten Teil des Jahres und ernähren sich von Ameisenbrut.

Häufige Irrtümer

  • „Das ist nur ein kleiner Bläuling wie viele andere.“
    → Diese Art hat einen hoch spezialisierten Lebenszyklus, der sowohl den Großen Wiesenknopf als auch bestimmte Ameisenarten braucht. 

  • „Die Raupen fressen nur Pflanzen.“
    → Nach der ersten Entwicklungsphase leben die Raupen im Ameisennest und ernähren sich dort von Ameisenbrut.

  • „Er gefährdet die Ameisen.“
    → Die Beziehung ist ein klassischer Fall von brood parasitism: Die Larven profitieren, beeinträchtigen die Ameisenpopulation aber nicht systemisch. Die Art ist nicht dafür verantwortlich, dass Ameisenbestände sinken.

Vertiefung
Die folgenden Abschnitte vertiefen Biologie, Verhalten und ökologische Zusammenhänge.

Erkennungsmerkmale

Phengaris nausithous, der Dunkle Wiesenknopf-Ameisenbläuling, ist ein kleiner Tagfalter mit einer Flügelspannweite von etwa 30–33 mm. Die Flügeloberseiten sind bei beiden Geschlechtern braun, bei frischen Männchen oft mit leichtem bläulichen Schimmer. Die Flügelunterseiten sind hellbraun bis graubraun und zeigen eine typische Reihe schwarzer Punkte. Auffällig sind der gedrungene Körper und die relativ breiten Flügel.

Lebensraum/Verbreitung

Die Art lebt auf feuchten bis wechselfeuchten, extensiv genutzten Wiesen mit Vorkommen des Großen Wiesenknopfs (Sanguisorba officinalis), der die einzige Raupenfutterpflanze ist. Sie ist von Mitteleuropa bis Westasien verbreitet, in Deutschland jedoch selten und lokal, hauptsächlich in naturnahen Wiesenlandschaften, besonders in Flussniederungen oder am Rand von Mooren.

Lebensweise/Verhalten

Der Dunkle Wiesenknopf-Ameisenbläuling ist auf zwei Dinge streng spezialisiert: auf die Futterpflanze Großer Wiesenknopf und auf bestimmte Ameisenarten. Die Weibchen legen ihre Eier gezielt in die Blütenköpfchen des Wiesenknopfs. Die jungen Raupen fressen zunächst im Inneren der Blüten, lassen sich nach der dritten Häutung zu Boden fallen und werden dort von Knotenameisen (Gattung Myrmica) in deren Nest eingetragen. Im Ameisennest ernährt sich die Raupe als „Sozialparasit“ von Ameisenbrut und wird von den Ameisen gepflegt. Nach der Verpuppung im Nest schlüpft der Falter meist ab Ende Juni bis August und verlässt das Nest eigenständig.

Rolle im Ökosystem

Phengaris nausithous ist ein Paradebeispiel für hochspezialisierte Wechselwirkungen („Myrmecophilie“ = Ameisenfreundlichkeit). Er trägt als Indikatorart zum Nachweis artenreicher, traditionell bewirtschafteter Feuchtwiesen bei. Die enge Bindung an Wiesenknopf und Knotenameisen macht den Bläuling sensibel für Veränderungen im Lebensraum.

Gefährdung/Schutz

Phengaris nausithous ist in Deutschland und vielen anderen Ländern stark gefährdet oder sogar vom Aussterben bedroht. Die Art leidet vor allem unter der Intensivierung der Landwirtschaft, Trockenlegung von Feuchtwiesen, Düngung, frühem Mähen und dem Rückgang der Futterpflanze sowie der Knotenameisen. Schutzmaßnahmen umfassen extensive Wiesenbewirtschaftung, spätes Mähen, Erhalt von Feuchtwiesen und gezielten Schutz der Lebensgemeinschaft mit Ameisen und Wiesenknopf.

Wissenswertes/Funfacts

Der Dunkle Wiesenknopf-Ameisenbläuling ist einer der „Meistertrickser“ unter den Schmetterlingen: Er lebt die erste Zeit ganz friedlich im Blütenkopf des Großen Wiesenknopfs, täuscht dann aber bestimmte Knotenameisen, die ihn ins Nest tragen und wie eine eigene Larve behandeln. Dort ernährt er sich von Ameisenlarven und lässt sich „durchfüttern“. Diese einzigartige Lebensweise ist nur durch ein raffiniertes chemisches Täuschungssystem möglich – die Raupen geben Duftstoffe ab, die sie für die Ameisen als „Familienmitglied“ erscheinen lassen! Durch diese enge Spezialisierung sind die Bestände sehr anfällig für Habitatverlust. Funfact: Der Falter fliegt oft gemeinsam mit dem sehr ähnlichen Hellen Wiesenknopf-Ameisenbläuling (Phengaris teleius).

Weiterführende Links

Diese Art ist Teil des Insecticon-Quartetts.